Oskar Lafontaine zum Abschneiden der Linken in Bayern
Der Vorsitzende der Linkspartei sieht den verpassten Einzug in den
bayerischen Landtag nicht als Niederlage.
Herr Lafontaine, die Linkspartei ist zuletzt in vier westdeutsche Landtage
eingezogen. Ist in Bayern der linke Höhenflug zu Ende gegangen?
Nein. Wir haben schon mehr erreicht, als wir uns vor einem Jahr erhofft
haben. Wir liegen über Plan. Ein Einzug in den bayerischen Landtag wäre
natürlich eine Krönung unserer Wahlerfolge gewesen. Nachdem es dieses Mal
äußerst knapp nicht geklappt hat, werden wir es das nächste Mal versuchen.
Was sind denn die bayerischen Stimmen für die Linkspartei überhaupt wert.
Sind es nicht aus Wählersicht verschenkte Stimmen?
Keinesfalls. Die Wähler in Bayern haben die Linke gegenüber früheren Wahlen
deutlich gestärkt. Das ist ein Signal für kommende Wahlen. Aber es hat halt
leider nicht ganz gereicht für den Einzug in den Landtag. Man darf jetzt
allerdings auch nicht aus einem so deutlichen Zuwachs eine Niederlage
konstruieren.
Wie bewerten Sie das Ergebnis für die CSU?
Die enormen Verluste für die Christsozialen zeigen, dass die Glanzzeiten
vorbei sind, als die CSU einen Besenstiel aufstellen konnte, der auch noch
gewählt wurde. Das ist die Quittung für das schwache Führungsduo Beckstein
und Huber und den Wählerbetrug bei der Pendlerpauschale.
Was hat der CSU-Einbruch für Folgen für den Bund?
Durch das CSU-Debakel ist natürlich auch die CDU im Bund geschwächt. Ohne
ein starkes CSU-Ergebnis wird die Union bei der nächsten Bundestagswahl
insgesamt schlechter abschneiden. Auch die SPD hat noch einmal verloren. Der
Führungswechsel zu Steinmeier und Müntefering hat in Bayern nichts gebracht.
Es ist für sie ein schlechter Start.
Was hat das Bayern-Ergebnis für Auswirkungen für kommende Regierungen auf
Bundesebene?
Wenn dieses CSU-Ergebnis sich auf Bundesebene wiederholt, ist eine Koalition
aus Union und FDP unwahrscheinlich.
Bleibt die Linkspartei nach der Bayernwahl bei ihrem Zeitplan für die
Aufstellung einer eigenen Bundespräsidenten-Kandidatin Mitte Oktober?
Daran hat sich nichts geändert. Wir werden unsere Entscheidung, wer für uns
in der Bundesversammlung für das Amt des Bundespräsidenten kandidiert, am
14. Oktober bekannt geben. Allerdings war bei uns immer die Rede von einer
Kandidatin oder einem Kandidaten. Wenn wir das Geschlecht festgelegt hätten,
hätten wir doch die Hälfte der denkbaren Persönlichkeiten ausgeschlossen.
Das heißt, auch der am Wochenende in Medien genannte Schauspieler Peter
Sodann wäre prinzipiell ein denkbarer Kandidat der Linken?
Spekulationen kommentiere ich nicht.
Gespräch: Peter Heimann
Sächsische Zeitung, 29. September 2008